Helios 44-2 | Erfahrungen und Tipps zum Vintage-Objektiv

Helios 44-2 | Erfahrungen und Tipps zum Vintage-Objektiv

Vintage Objektive werden immer beliebter unter heutigen Fotografen. Ein ungewöhnliches Bokeh und die gute Adaptierbarkeit an spiegellose Systeme sind die häufigsten Gründe, um sich für ein altes Objektiv, wie das Helios 44-2, zu interessieren.

Besonders beim 44-2 von Helios gibt es aber auch einige Stolpersteine, die man besser umgeht, wenn man keinen Fehlkauf tätigen will. In diesem Artikel teile ich meine Erfahrungen mit der alten russischen Linse.


Wieso sollte man überhaupt mit einem alten russischen Objektiv fotografieren?

Der Hauptgrund, aus dem die meisten Fotografen auf die alten Helios-Objektive aufmerksam werden, ist das ungewöhnliche Bokeh, das von den meisten Objektiven der Baureihe erzeugt wird. Oft als „Swirly-Bokeh“ bezeichnet, macht das Bokeh eines Helios 44-2 bei den richtigen Lichtverhältnissen den Eindruck, verwirbelt zu sein.

Auch wenn es sich dabei eigentlich um einen optischen Fehler handelt, und man den Effekt bei modernen Linsen nicht mehr findet, hat der Look viele Liebhaber unter heutigen Fotografen gefunden.

Der ursprüngliche Entwurf des Objektivs (Biotar 2/58 – Carl Zeiss Jena) stammte dabei eigentlich vom High-End Hersteller Zeiss, und wurde nach dem Krieg als Reparationsleistung von der Sovietunion beansprucht.

Ein weiterer wichtiger Grund, sich für ein altes Helios Objektiv zu entscheiden, ist die gute Adaptierbarkeit der Reihe an neueren Kamerasysteme. Die meisten Helios-Objektive werden noch mit dem alten M42-Anschluss mit Schraubgewinde an der Kamera befestigt. Adapter sind dementsprechend schon für 5-10€ im Internet zu haben.

Besonders gut sind häufig die neuen spiegellosen Systeme adaptierbar. Hier braucht man sich keine Gedanken darüber machen, ob der Spiegelkasten genug Platz bietet, um den Spiegel weiterhin frei schwingen zu lassen. Problematisch wird die Adaption dagegen bei Nikon DSLRs. Dazu später mehr.

Und der dritte wichtige Grund ist natürlich die Haptik der alten Linsen. Es macht eben einen Unterschied, ob man mit einem modernen Kit-Objektiv, bei dem sogar der Kamera-Anschluss aus Kunststoff gefertigt ist, oder mit einem aus Metall gefertigtem, schweren, alten Objektiv fotografiert.

Das neue Objektiv mag die optisch korrekteren Bilder machen, aber das alte Helios 44-2 lässt einen die Qualität beim Fotografieren spüren.


Daten – Helios 44-2

  • 58mm Brennweite
  • M42 Schraub-Anschluss (in den allermeisten Fällen)
  • Blende: f/2.0 bis f/16
  • Naheinstellgrenze: 0,5m

Wer weiter recherchieren möchte, findet am Ende des Artikels einige Links zu sehr hilfreichen Foreneinträgen. Der Stoffumfang ist allerdings groß genug, um sich einige Stunden damit aufzuhalten. Ihr seid gewarnt.

Links: Helios 44-2 – Rechts: 44M-6

Vollformat oder APS-C

Der Unterschied zwischen einem Crop- und einem Vollformat-Sensor macht sich beim Helios 44-2 besonders deutlich sichtbar. Nicht nur, dass die Brennweite von 58mm an einem Cropsensor eher einer Brennweite von 90mm entspricht, auch das Bokeh ist deutlich unterschiedlich.

Das verdrehte Bokeh des 44-2 tritt besonders stark an den Rändern auf. Natürlich sind auch Einflussfaktoren, wie der richtige Lichteinfall, wichtig für ein „swirly“ Bokeh. Aber mit einem größeren Sensor ist es einfacher den Effekt zu erzeugen.


Helios 44-2 an Nikon

Wer das Helios 44-2 mit einem M42->F-Mount Adapter an ein Nikon System anschließen möchte, der hat Probleme. Der Spiegelkasten der Nikon Kameras ist kürzer, als der Spiegelkasten früherer Kameras mit M42-Anschluss.

Das hat zur Folge, dass das Objektiv nur noch im Nachbereich fokussierbar ist. Auf unendlich wird eine Fokussierung leider unmöglich. Auch einen besonders dünnen Adapter zu wählen, behebt das Problem nicht vollständig.

In den Fotografie-Foren dieser Welt kursieren eine Menge eher fragwürdiger Lösungen.

LÖSUNG
Nach einiger Recherche stieß ich auf das Video eines russichen Youtubers, der erklärte, wie er die alten Helios Objektive maschinell umarbeitet, sodass sich auch auf einem Nikon System auf unendlich fokussieren.

Der Vorteil: Im Zuge dieser Umarbeitung auch alle anderen Elemente des Objektivs auf Funktion geprüft und die Blendenlamellen korrekt geölt.

Ich habe ein umgearbeitetes Exemplar aus dem Ebay-Shop des Youtubers bestellt, und bin sehr zufrieden. Das Helios 44-2 hat keinerlei Kratzer auf den Linsen und fokussiert ohne Probleme bis auf unendlich.

Hier das Video (den Link zum ebay-Shop findest du in seiner Videobeschreibung)


Wie komme ich günstig an ein Helios Objektiv?

Helios Objektive werden zunehmend beliebter, was sich zunehmend an den Preisen bemerkbar macht. Sicherlich sind die Objektive immer noch günstig im Vergleich zu modernen Objektiven, aber es gibt trotzdem keinen Grund mehr als notwendig auszugeben.

Für alle, die günstig an ein altes Helios kommen wollen gibt es einen einfachen Trick bei der Suche. Die Helios-Objektive sind oft in Verbindung mit bestimmten Kameramodellen verkauft worden. Die heutigen Besitzer der Kameras wissen meist gar nicht, was sich für ein Objektiv an der Kamera befindet. Wenn die Kameras also verkauft werden, geschieht das meist oft ohne die Nennung des Objektivs.
Der Vorteil: In der Regel zahlt man nur den Preis für die Kamera. Und der liegt oft unter dem des Objektivs. Die Kamera, an der die Helios-Objektive am häufigsten mitverkauft wurden, ist das Modell 122 von Zenit.
Es lohnt sich also auf den Gebraucht-Plattformen auch Ausschau nach dieser Kamera auf zu halten!

Für meine Zenit 122 mit dem 44M-6 habe ich 25€ bezahlt.

Die üblichen Verdächtigen…

Grundsätzlich sollte man beim Kauf von alten Objektiven auf einige Dinge achten, die häufig Probleme machen.

  • Verklebte Blendenlamellen
  • Kratzer auf den Linsen
  • Glaspilz auf den Linsen
  • Sturzschäden am Gehäuse

Fokussieren mit dem Helios 44-2

Bei der Fokussierung von manuellen Objektiven mit neuen Kameras gibt es einige Tricks, die einem helfen auch mit derart alten Objektiven noch sehr scharfe Ergebnisse zu erzielen.

Nikon bietet zu diesem Zweck beispielsweise einen Indikator-Punkt links unten im Sucher. Auch die anderen Hersteller haben derartige Fokussierhilfen in ihre Kameramodelle eingebaut. Vorallem die neuen spiegellosen Systeme wie die a6x00 Serie von Sony machen einem das Fokussieren mit dem sogenannten Fokus-Peaking besonders einfach.

Auch hier genügt ein Blick ins Handbuch, um die entsprechenden Funktionen im Menü zu finden und zu aktivieren.

Die Fokussierung alter Objektive ist mit den modernen Kamera-Systemen so einfach wie nie. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass die Nachfrage nach alten Objektiven, wie dem Helios 44-2 weiterhin zunehmen wird.

Links zur ausführlichen weiteren Recherche:

  1. http://allphotolenses.com/lenses/item/c_455.html
  2. http://forum.mflenses.com/complete-list-of-helios-lenses-getting-closer-t26100.html
  3. https://camerapedia.fandom.com/wiki/Helios-44

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