Streetfotografie | Meine Belichtungs- und Kamera-Einstellungen

Streetfotografie | Meine Belichtungs- und Kamera-Einstellungen

Wenn es um die Belichtungseinstellungen an der Kamera geht, gibt es so viele Vorlieben wie Fotografen. Welchen Modus nutzt man? ISO auf Automatik oder nicht? Und wie weit sollte man die Blende überhaupt schließen?

In diesem Beitrag erkläre ich, welche Einstellungen ich bei der Streetfotografie an meiner Kamera vornehme, wieso ich nicht viel davon halte, die Blende zu weit zu schließen, wie hoch ich meine ISO-Werte schiebe und einiges mehr.


Bevor es losgeht: Fokus-Einstellung

An meinen Kameras stelle ich in der Regel den sogenannten Back-Button-Fokus ein. Das bedeutet einfach nur, dass der Fokus nicht mehr mit dem halb durchgedrückten Auslöser betätigt wird, sondern mit einem Knopf auf der Rückseite der Kamera, den man mit dem Daumen bedient.

Der Hauptgrund, wieso ich diese Funktion nutze, ist eine weitere Einstellung, die den Fokus betrifft. Ich aktiviere in der Regel nur ein einziges Autofokus Messfeld. Meist das in der Mitte des Suchers. Hier befinden sich die besten Autofokus-Sensoren. Außerdem kann ich so genau festlegen, wo sich der Fokus des Bildes befinden soll.

Hier hilft mir dann auch der Back-Button Fokus. Mit diesem kann ich kurz auf mein Motiv zielen. Mit dem Daumen den Fokus aktivieren. Die Kamera fokussiert auf den gewählten Abstand. Jetzt kann ich mein Motiv beliebig in meinem Bild positionieren, ohne zwischendurch aus Versehen wieder den Fokus zu aktivieren.

Kurz gesagt: Der Back-Button Fokus ist für mich bei der Bildkomposition unverzichtbar.


Der beste Kameramodus für die Streetfotografie

Leider herrscht in Fotografie-Kreisen häufig noch das lächerliche Vorurteil vor, dass man immer den M-Modus nutzen muss, wenn man als Fotograf ernst genommen werden will. Meiner Meinung nach ist das blanker Unsinn. Am Ende zählen nur die Fotos. Und ob die im Automodus mit Aufklapp-Blitz entstanden sind, interessiert dann niemanden mehr.

Wenn dir die verschiedenen Kameramodi noch nicht ganz klar sind, schau mal am Ende des Artikels Blende, Belichtungszeit, ISO | eine kurze Erklärung. Dort findest du eine kompakte und verständliche Erläuterung zu den wichtigsten Kameramodi.

Zurück zum Thema Kameramodi bei der Streetfotografie. Meine persönliche Präferenz bei den Kameramodi beschränkt sich je nach Lichtsituation auf den A oder den S Modus.

Meine persönliche Daumenregel lautet wie folgt: Wenn kein Mangel an Licht besteht, ich also am späten Vormittag, Mittag und frühen Nachmittag unterwegs bin, wähle ich eigentlich immer den A-Modus. Welche Blende ich für die Streetfotografie wähle und was ich zu vermeiden versuche, kläre ich gleich noch.

Dementsprechend wähle ich den S-Modus vorallem dann, wenn das Licht nachlässt und ich sicher sein will, dass meine Belichtungszeit es noch scharfe Aufnahmen aus der Hand, also ohne Stativ, zu machen.


Maidan, Kiev 2019

Keine Angst vor ISO!

Grundsätzlich vertrete ich den Standpunkt, dass ich lieber ein Bild mit ISO-Raschen habe, als Gefahr zu laufen durch eine Bewegung beim Auslösen Bewegungsunschärfe ins Bild zu bringen.

Dazu kommt, dass mittlerweile alle modernen DSLRs und DSLMs bei ISO 800 immer noch tadellose Aufnahmen machen, solange man nicht in der 100%-Ansicht mit der Lupe auf die Suche nach ISO-Rauschen geht.

Aus diesem Grund stelle ich bei der Streetfotografie grundsätzlich einen MINIMALWERT von ISO 400 ein. Darunter gehe ich nur, wenn ich die Blende für meinen Geschmack zu weit schließen muss.


Kamerablende bei der Streetfotografie oder Was ist eigentlich Beugung?

Wenn ich zum Fotografieren in einer Stadt unterwegs bin, versuche ich grundsätzlich eine möglichst große Schärfentiefe in meinen Bilder zu erreichen. Das macht einen Fehlfokus unwahrscheinlicher und es passt meiner Meinung nach auch besser zur Streetfotografie. Geschmacksache. Ich vermeide es also nach Möglichkeit sehr offenblendig zu fotografieren. (Es gibt natürlich auch hier immer Ausnahmesituationen in denen ich alles Licht nehmen, dass ich kriegen kann.)

Besonders, wenn man mit einer eher kurzen Brennweite unterwegs ist, sollte eine große ‚Schärfentiefe aber eigentlich keine all zu schwere Aufgabe sein.

Es gibt allerdings auch beim Schließen der Blende eine Grenze, die ich nach Möglichkeit nicht überschreite. Die jeweilige Grenze ist dabei vor allem von der Sensorgröße abhängig.

Bei APS-C versuche ich die Blende nie weiter als f/9 zu schließen.

Bei Vollformat-Kameras liegt meine persönliche Wohlfühl-Schwelle etwas höher bei f/13 oder f/14.

Der Grund dafür, dass ich versuche diese Grenze nicht zu überschreiten ist die sogenannte Beugung. Dem ein oder anderem kommt das sicher noch aus dem Physik-Unterricht bekannt vor.

Vereinfacht gesagt tritt Beugung am Rand des Blenden-Lochs auf. Je mehr Beugung, desto weniger Bildschärfe ist erreichbar. Das Verhältnis von Blendenloch-Fläche und Blendenrand-Länge, sprich Intensität der Beugung, verschiebt sich mit dem Schließen der blende zu Ungunsten der Bildschärfe.

Und während die meisten geradezu panisch werden, sollte der ISO-Wert mal in den vierstelligen Bereich rutschen, schließen die meisten Fotografen die Blende bedenkenlos bis an den Anschlag.

Wer mehr zum Thema Beugung erfahren möchte, sollte sich auf jeden Fall dieses Video ansehen:


Belichtungszeit in der Streetfotografie

Wie bereits angedeutet, lasse ich die Belichtungszeit beinahe immer automatisch von der Kamera regeln. Falls ich aber doch mal in den S-Modus wechseln muss, weil das Licht zu schwach wird, lasse ich die Belichtungszeit nie unter 1/160s sinken. Besser noch nicht unter 1/200s. (Auch hier gibt es natürlich Ausnahmen. Bspw.: Wenn ich beabsichtige die Dynamik von Menschen in Bewegung durch Bewegungsunschärfe zu betonen.)

Um das zu erreichen schraube ich den ISO Wert von 400 aus auch ohne zu Zögern in den vierstelligen Bereich. Und bis jetzt hat sich noch nie jemand darüber beschwert, dass meine Bilder zu verrauscht seien.

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